24. September 2009

Neue Studie: Training an Virtual-Reality Simulatoren verbessert chirurgische Leistung

Mannheim/Tübingen. Eine jetzt veröffentlichte Studie der Universität Tübingen belegt, dass Training an dem Augenoperations-Simulator Eyesi (VRmagic) die chirurgische Leistung von Studenten der Augenheilkunde bei Übungen an Schweineaugen erheblich verbessert.


Ziel der Studie unter Leitung von Elisabeth Feudner am Department für Augenheil­kunde der Universität Tübingen war es, zu untersuchen, ob Studenten, die die Öffnung der vorderen Linsen­kapsel des Auges am Virtual-Reality-Simulator trainiert hatten, besser operierten. Zum Vergleich dienten Operationen an Schweineaugen, wie sie in der augenchirurgischen Ausbildung üblich sind.

 

An der randomisierten, maskierten Studie nahmen über einen Zeitraum von drei Wochen 31 examinierte Medizin­studenten und 32 Ärzte in der Fachausbildung teil. Jeder Teilnehmer musste zu Beginn und Ende der Studie drei Mal die Öffnung der Linsenkapsel, die sogenannte Kapsulo­rhexis, am Schweine­auge durch­führen. Eine Gruppe der Studien­­teilnehmer absolvierte in der Zwi­schen­­zeit ein strukturiertes Training am Eyesi Operations-Simulator. Die insgesamt 372 Eingriffe am Schweine­auge wurden anhand eines Zehn-Punkte-Systems bewertet. Berech­net wurde dann die Differenz in der Leistung der Teilnehmer zu Beginn und am Ende der Studie.

 

Verglichen mit einer mittleren Leistungssteigerung von 0,33 Punkten in der Kontrollgruppe, zeigten die Studen­ten und Fachärzte, die an Eyesi trainiert hatten, mit 3,67 Punkten eine deutliche Verbesserung ihrer chirurgischen Fähigkeiten. Diese Teilnehmer führten die Öffnung der Linsen­kapsel konsis­tenter, schneller, mit weniger Gewebeverletzungen und bes­seren Ergebnis­sen hinsichtlich der Gleichmäßigkeit, Größe und Zen­trierung aus.

 

Die Kapsulorhexis ist ein entscheiden­der Schritt bei Katarakt­-Operationen, wenn aufgrund einer Trübung, dem sogenannten Grauen Star, die Linse entfernt und durch ein Implantat ersetzt werden muss. Durch ein kontrolliertes Reißmanöver wird dabei die vordere Linsenkapsel des Auges kreisförmig geöffnet. Mit dem Operations-Simulator Eyesi können Katarakt- und Vitreo­retinal­-Operationen, also chirurgische Eingriffe an der Linse und der Netzhaut trainiert werden. Die Eignung der vitreoretinalen Trainings­einheiten von Eyesi für die augenchirurgische Aus­bildung wurde bereits 2004 in einer Studie von Juliana V. Rossi am Doheny Retina Institut der University of Southern California, Los Angeles, USA, belegt. Eine weitere Studie von Michael A. Mahr, MD, Direktor des Ausbildungs­programms am Depart­ment für Augenheilkunde der Mayo Klinik, Rochester, Minnesota, untersuchte 2008 wie die abstrakten Eyesi-Module zur Hand­habung der Opera­tions­­instrumente die Beherrschung von chirurgi­schen Techniken trainiert.

 

Weltweit nimmt die Bedeutung von Simulatoren in der medi­zinischen Ausbildung zu. In den USA wird der Einsatz von Simulatoren seit 2007 in den Richtlinien zur Ausbildung von Augenärzten erwähnt. Virtual-Reality-Technologie ermög­licht es Chirurgen, Opera­tionen unter äußerst realis­tischen Beding­un­gen zu trainieren, ohne Risiko für einen Patienten. Weitere Vorteile für die medizinische Ausbildung sind die ständige Ver­füg­barkeit des Simulators und die Möglich­keit, chirurgische Leis­tun­gen objektiv zu mes­sen und zu bewerten.

 

Quellen:

Feudner EM, Engel C, Neuhann IM, et al. Virtual reality training improves wet-lab performance of capsulorhexis: results of a randomized, controlled study. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol 2009;247:955-963

Die Studie ist auf Anfrage als Druckversion erhältlich.

 

Mahr MA, Hodge DO. Construct validity of anterior segment anti-tremor and forceps surgical simulator training modules: attending versus resident surgeon performance. Cataract Refract Surg 2008; 34: 980–985

 

Rossi JV VD, Fujii GY, Lakhanpal RR et al. Virtual vitreoretinal surgical simulator as a training tool. Retina 2004; 24: 231–236